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Mittwoch, 13. Juni 2012
Polen müssen gegen Tschechen gewinnen
Russland reicht schon ein Unentschieden gegen Griechenland für den Einzug in die Runde der letzten Acht. Immerhin haben die Polen ihr Schicksal nach Blaszczykowskis stürmisch umjubeltem Ausgleichstreffer (57.) selbst in der Hand. Kuba fasste sich in einer teils turbulenten zweiten Halbzeit aus 18 Metern nach Zuspiel von Lukasz Piszczek ein Herz - eine Dortmunder Co-Produktion. Alan Dsagojew (37.) hatte Russland mit seinem dritten Treffer bei der EM in Führung gebracht. Hätte sie Bestand gehabt, wäre die Sbornaja bereits durch gewesen.Die historische Belastung des Duells hatte zu den ersten schweren Krawallen bei der EM geführt. An ihrem Nationalfeiertag marschierten Tausende Fans der Russen Stunden vor dem Anpfiff entlang der Weichsel zur Arena - eine blanke Provokation, auf die viele Polen mit wüsten Beschimpfungen reagierten. Flaschen flogen, die Polizei schritt ein und wurde auch attackiert. Sie musste Tränengas und Wasserwerfer einsetzen, der Marsch wurde aufgelöst.Im Nationalstadion setzten sich die Provokationen fort. Während die Nationalhymne vor dem Anpfiff des souveränen Schiedsrichters Wolfgang Stark abgespielt wurde, rollten russische Anhänger ein riesiges Banner aus, das die halbe Fankurve bedeckte: "This is Russia", stand da, abgebildet war ein furchterregender Krieger.Die polnischen Fans reagierten mit einem Pfeifkonzert und lautstarken "Polska"-Rufen. Als dann schließlich Fußball gespielt wurde, war die russische Auswahl überlegen, Polen hatten aber die besseren Chancen. Der künftige Stuttgarter Sebastian Boenisch lenkte den Ball nach einer Flanke von Ludovic Obraniak aus kurzer Distanz mit dem linken Knie Richtung Tor - Russlands Torhüter Wjatscheslaw Malafejew parierte (7.). Vier Minuten später schloss Robert Lewandowski von Borussia Dortmund aus 20 Metern ab, sein Schuss verfehlte den Winkel des russischen Tores knapp.Auch Stark war in einem heißblütigen Duell gefordert - und stets auf Ballhöhe. Er musste eine knifflige Situation bewerten, als Damien Perquis im eigenen Strafraum rustikal zu Werke ging; seine Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, war vertretbar. Definitiv korrekt war, Abseits anzuzeigen, als Eugen Polanski (FSV Mainz 05) ins russische Tor getroffen hatte (18.). Robert Lewandowski hatte es schwer, seine Gegenspieler waren keineswegs zimperlich. Sergej Ignaschewitsch und Alexej Beresuzki gingen sofort auf die Knochen, sie waren nicht willens, dem Dortmunder Star-Torjäger auch nur einen Quadratzentimeter Raum zu geben.Die Polen waren da weniger achtsam: Dsagojew verlängerte eine Flanke von Andrej Arschawin mit der rechten Schulter ungehindert ins Tor. Das stachelte die Polen an, die fortan schwungvoll nach vorne spielten, dabei aber auch ihre Abwehr entblößten. Leidenschaftlich, bisweilen auch ungestüm rannte Polen auch nach dem Ausgleich von Kuba an - Malafejew rettete klasse gegen Polanski (68.). Russland wirkte kontrollierter, lauerte in mitreißender Atmosphäre auf den Knockout - vergeblich.
Samstag, 9. Juni 2012
Rußland in Topform
Breslau - "Bolschoi" in Breslau: Leichtfüßig wie die legendären Ballett-Tänzer hat die russische Nationalmannschaft ihren ersten EM-Gegner Tschechien schwindelig gespielt. Die Wirbelwinde der Sbornaja ließen selbst dem Weltklasse-Torhüter Petr Cech beim 4:1 (2:0) keine Chance. Russland setzte sich mit seiner Gala an die Spitze der Gruppe A, Polen und Griechenland hatten sich zuvor im Eröffnungsspiel 1:1 (1:0) getrennt. Für die Tschechen war es eine Lehrstunde: Nie zuvor hatten sie in einem EM-Spiel vier Tore kassiert.Ein paar Minuten lang warteten die Russen im Stadion von Breslau ab. Die 15.000 lautstarken tschechischen Anhänger waren bester Dinge. Doch dann legte sich die Mannschaft des niederländischen Trainers Dick Advocaat (64), der nach der EM den niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven übernimmt, ihren Gegner zurecht. Erst traf Alan Dsagojew vor 40.803 Zuschauern gegen heillos verwirrte Tschechen (15.), dann legte Roman Schirokow nach (24.). Das 1:2 (52.) durch den künftigen Wolfsburger Vaclav Pilar war nur ein kleiner Schönheitsfehler: Nach vielen vergebenen Chancen trafen erneut Dsagojew (79.) und der eingewechselte Roman Pawljutschenko (82.).Dabei hatten die Tschechen zunächst wacher gewirkt und das Spiel in den ersten Minuten bestimmt; vor dem Tor von Wjatscheslaw Malafejew blieb es aber ruhig. Dessen Vorderleute lauerten erst einmal vergeblich auf Konter, machten dann aber ernst: Zunächst leitete Alexander Kerschakow den Ball knapp am Tor von Cech vorbei (14.). Nur wenige Augenblicke später köpfte der Angreifer von Zenit St. Petersburg freistehend an den Pfosten, aus dem Hintergrund konnte Dsagojew schießen, Dsagojew schoss - und traf.
"Cech-ien"? Wirkte zunehmend chancenlos, die Abwehr sah unorganisiert aus und war dem schnellen Angriffsspiel der Russen, die 15 Spiele in Serie nicht verloren haben, nicht gewachsen. Und der Halbfinalist der EM 2008, der sich damals dem späteren Europameister Spanien hatte beugen müssen, legte nach. Der erst kurz vor Turnierbeginn zum Kapitän ernannte Andrej Arschawin sezierte mit einem präzisen Pass die Hintermannschaft der Tschechen, Roman Schirokow lief ungehindert in den Ball hinein und lenkte ihn ins Tor.
Sie waren eigentlich gut ins Spiel gekommen, doch in der Tat waren die Tschechen mit den beiden Gegentreffern vor der Pause noch gut bedient. Gegen die schnellen Schirokow und Arschawin sahen sie aus, als hätten sie Blei in den Schuhen. Auch die Bundesliga-Profis Roman Hubnik (Hertha BSC), Michal Kadlec (Bayer Leverkusen) und Petr Jiracek (Wolfsburg) sowie Pilar waren nur träge Statisten. Die russischen Fans starteten nach 40 Minuten "La Ola" - nur der tschechische Block verweigerte die Mitwirkung.
Die tschechischen Spieler immerhin rafften sich nach der Pause kurzzeitig auf, nevten die russischen Primaballerinas mit aggressivem Zweikampfverhalten - und hatten Erfolg. Eine Unachtsamkeit in der bis dahin gut sortierten Abwehr der Sbornaja, und nach einem schönen Pass von Plasil umkurvte Pilar schon den russischen Torhüter.
Hoffnung keimte wieder auf bei den Tschechen, sie mühten sich, sie kämpften. Doch die Russen wirkten souverän, schlugen zurück, tanzten wieder - und wäre Kerschakow nicht so fahrlässig mit seinen vielen Chancen umgegangen, hätte es "Cech-ien" noch viel schlimmer erwischt. 
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